Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche – Was ist das?

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche basiert auf einem Machtgefälle und Abhängigkeitsverhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern. Werden Macht und Abhängigkeit von Seiten des Erwachsenen oder überlegenen Jugendlichen aus sexuell motivierten Gründen ausgenutzt, spricht man von sexueller Gewalt. Sexuelle Gewalt benennt die bewusste Manipulation und den absichtlichen Missbrauch eines Kindes mit dem Ziel eigene sexuelle Bedürfnisse zu befriedigen.

Im österreichischen Strafgesetzbuch (StGB), unter dem Paragraphen 206 und 207 ist sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen unter der Begrifflichkeit „sexueller Missbrauch von Unmündigen“ zu finden. Dieser ist als „sexuelle Handlungen mit, an oder vor unmündigen Personen“ definiert, wobei mit unmündige Personen Kinder unter 14 Jahren gemeint sind. Sexueller Missbrauch ist strafbar.

Strafmündig sind Jugendliche ab dem vollendeten 14. Lebensjahr, sodass nicht nur Erwachsene sondern auch Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren als Täter oder Täterinnen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können.

Sexueller Missbrauch wird als Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung verstanden. Sexueller Missbrauch von Kindern ist immer strafbar, auch bei scheinbarer Einwilligung durch das Kind, da ein Kind für die Zustimmung zu einer solchen Handlung unter Anbetracht des Machtgefälles zum erwachsenen Täter in kognitiver, psychischer als auch physischer Hinsicht nicht verantwortlich gemacht werden kann.

Sexueller Missbrauch an Jugendlichen ist strafbar, nutzt der Täter eine Zwangslage, ein Schutz- oder Obhutsverhältnis zum Jugendlichen aus. Kommt es zur sexuellen Nötigung, Vergewaltigung, sexuellen Handlungen gegen Entgelt oder sexuellen Handlungen bei Widerstandsunfähigkeit des Jugendlichen, beispielsweise aufgrund einer Behinderung, ist dies eine Straftat.

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist:

  • Das Verwenden einer sexuell gefärbten Sprache dem Kind gegenüber
  • Das Abwerten des Körpers des Kindes durch sexualisierende Bemerkungen
  • Das Anfertigen pornographischer Fotos oder Filme von Kindern
  • Das Veranlassen des Kindes dazu, sich sexualisierte Bilder, Filme oder die Geschlechtsorgane des Erwachsenen (Exhibitionismus) anzusehen
  • Vor Kindern Erwachsenensexualität leben
  • Das Kind sexualisiert berühren
  • Das Veranlassen des Kindes, den Körper des Erwachsenen sexuell zu berühren
  • Orale, anale oder genitale Sexualpraktiken am Kind oder mit dem Kind
  • Vergewaltigung des Kindes

Neben den Bezeichnungen „sexuelle Gewalt“ und „sexueller Missbrauch“ finden sich zahlreiche weitere Begriffe, wie beispielsweise „sexueller Übergriff“„ sexuelle Belästigung“ oder „sexuelle Ausbeutung“. All diese Begriffe meinen dasselbe, beleuchten jedoch je nach Kontext und Disziplin unterschiedliche Aspekte sexueller Gewalt.

Im Kontext der Psychologie und Psychotherapie versteht man unter sexueller Gewalt eine sexuelle Handlung mit dem Ziel der Bedürfnis- und Machtbefriedigung des Täters. Diese findet im Rahmen einer Abhängigkeitsbeziehung statt, welche durch mangelnde Einfühlung in das Kind geprägt ist. Unter dem Gebot der Geheimhaltung werden die Grenzen des Kindes überschritten und in Folge ambivalente Gefühle in ihm ausgelöst.

Von sexueller Gewalt zu unterscheiden ist der Begriff der Grenzverletzung. Eine Grenzverletzung bezeichnet Verhaltensweisen, bei denen es zur Überschreitung persönlicher Grenzen der Kinder und Jugendlichen kommt. Ist es einem Kind oder Jugendlichen beispielsweise nicht möglich ungestört auf die Toilette zu gehen, sich zu duschen oder darf es nicht alleine im eigenen Bett schlafen, können die persönlichen Grenzen eines Kindes oder Jugendlichen verletzt werden. Wird ein Kind im Arm getröstet und dabei nicht wahrgenommen, dass dies dem Kind unangenehm ist, spricht man auch von einer Grenzverletzung. Werden Kinder oder Jugendliche ungefragt fotografiert oder gefilmt oder werden Fotos oder Videos ohne des Einverständnisses des Kindes oder Jugendlichen an andere Personen weitergeleitet, ist dies ebenso eine Grenzüberschreitung. Sexuelle Gewalt unterscheidet sich von Grenzverletzungen dadurch, dass die Handlungen nicht aus Versehen passieren.

Sexuelle Gewalt ist ein Problem, welches sich weltweit wiederfindet. Offen thematisiert wird es leider nicht in allen Ländern und Kulturen.

Vive Veritas fördert die gesellschaftliche Enttabuisierung von sexualisierter, physischer und psychischer Gewalt und die damit in Zusammenhang stehenden Erscheinungsformen von Missbrauch, Misshandlung und einseitiger Machtausübung.

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